AB - Die Andere Bibliothek 2017


Frank Bökelmann & Dietrich Leube: Entkommen oder Not macht erfinderisch
Rainer Schmitz: Ergötzliche Nächte
Thilo Bock, Wilfried Ihrig, Ulrich Janetzki: Ich kieke, staune, wundre mir
Enrique Vila-Matas: Kassel: eine Fiktion
• Giacomo Leopardi: Opuscula moralia
• Viktor Schklowskij: Sentimentale Reise
• Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz, Joachim Seng: Monsieur Göthé



Frank Bökelmann & Dietrich Leube:
Entkommen oder Not macht erfinderisch

Auswege in Wort und Bild.

AB – Die Andere Bibliothek 2017, AB 385, 391 S.

»Dicht neben dem Wehe der Welt und oft auf seinem vulkanischen Boden hat der Mensch seine kleinen Gärten des Glücks angelegt.«
      Friedrich Nietzsche

Wir leben in einer zerbrechlichen Gegenwart. Doch die Gefahr ist nie ohne Ausweg. Dies ist das überraschende Brevier für alle Notlagen: Eine Katastrophenerkundung in außergewöhnlichen Geschichten und verblüffenden Bildern.

Unser Buch zum Überleben, denn Not macht erfinderisch.

Die reiche Materialsammlung der beiden originellen Kulturforscher Frank Böckelmann und Dietrich Leube ist ganz und gar unkonventionell. In erzählten oder nacherzählten Geschichten, in exemplarischen Dokumenten und Bildern erkunden sie fatale Bedrohungen und lebensbedrohende Desaster.

Und zugleich öffnen sie unseren Blick auf die Auswege aus der Not, auf Unerhörtes und Unbekanntes - auf unser oft wunderliches Entkommen.

Buchgestalter: Christine Lange und Patrick Marc Sommer



Ergötzliche Nächte

Unerhörte Geschichten aus der italienischen Renaissance.

Wiederentdeckt und mit Hinweisen und einem Nachwort versehen von Rainer Schmitz

AB – Die Andere Bibliothek 2016, AB 386, 642 S.

Giovanni Boccaccio hat den Startschuss gegeben und die Messlatte sehr hoch gelegt. Angeregt von seinem Decamerone haben seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in den folgenden 200 Jahren etwa drei Dutzend seiner Landsleute versucht, ihm stilistisch und inhaltlich nachzufolgen.

In ihren Novellen und Erzählungen aber haben sie ebenfalls unerhörte prickelnd-pikante Begebenheiten aus ihrem Alltag ungetrübt gespiegelt, die heute zum Amüsantesten des Genres gehören.

Unsere Auswahl stellt zwanzig der meist unbekannten "Nachfolger" vor und konzentriert sich dabei auf Typisches und Würziges aus dieser Epoche zwischen Boccaccio und Aretino.

Die hier ausgegrabenen Variationen zeigen, wozu ruchlose Liebe fähig ist. Die Verfasser gehen dabei keineswegs zimperlich mit dem berühmten Feigenblatt um, und sie nehmen auch sonst kein Blatt vor den Mund...

Amüsante Verwechslungen, raffinierte Liebeskabalen, derb-deftige Späße und keckes Treiben, ingeniöse Betrügereien und Unterschiebungen werden heiter, komisch, sinnenfroh und indezent erzählt – ein erotisch-obszöner Reigen und literarischer Gaumenkitzel, wobei auch zeitgemäße Pfaffenschelte und der moralische Zeigefinger nicht zu kurz kommen.

Wer zu lesen beginnt, für den bedarf es eigentlich keiner Begründung für diese bislang einzigartige Sammlung früher italienischer Novellistik.

Unsere Neuedition fußt – neben einigen bibliophilen und Privatdrucken – im Wesentlichen auf den beispiellosen Ausgaben des Münchner Georg Müller Verlages, die von 1907 bis 1921 von Hanns Floerke und Albert Wesselski unter dem Reihentitel "Perlen älterer romanischer Prosa" in kleiner Auflage herausgegeben wurden und auf verschollene Übersetzungen und Handschriften zurückgriff.

Buchgestalter: Martin Mosch



Ick kieke, staune, wundre mir

Berlinerische Gedichte von 1830 bis heute

Gesammelt und ediert von Thilo Bock, Wilfried Ihrig und Ulrich Janetzki

AB – Die Andere Bibliothek 2017, AB 387, 465 S.

Schon immer war Berlin von Zuwanderung geprägt. Die zur Metropole wachsende Stadt hat sich aller Sprachen bedient und ihre Mundart ausgeprägt: die »Berliner Schnauze«.

Von der Straße, aus den Dienstmädchenkammern und Hinterhöfen fand das Berlinerische seinen Weg auf die Bühnen der Schmalzstullentheater und bald auch in die Schreibstuben der Dichter.

Was mit Adolf Glaßbrenners Eckensteher anfing, wurde von Theodor Fontane, Erich Mühsam und Max Herrmann-Neiße aufgegriffen. Kurt Tucholsky entpuppte sich als Meister des mundsprachlichen Gelegenheitsgedichtes und Erich Weinert berlinerte noch aus dem Exil gegen die Nationalsozialisten an. Eine Mundart wurde hoffähig und manchmal auch frech und obszön.

Diese erste dokumentarische Anthologie, die sich der berlinerischen volksnahen Sprache widmet, umfasst über 250 Gedichte – von 1830 bis heute. Entstanden ist eine Berliner Kulturgeschichte »von unten«, die fast wie nebenbei auch die deutsche Geschichte der letzten zweihundert Jahre  nachzeichnet – vom preußischen Selbstbewusstsein über den kaiserstädtischen Größenwahn, den Klassenkampf der Goldenen Zwanziger, den Jahren im Krieg, in denen vielen Autoren allein die Mundart als Stück Heimat blieb, bis hin zur Rückbesinnung in den Jahren deutsch-deutscher Teilung und deren Überwindung.

Buchgestalterin: Susanne Bax



Enrique Vila-Matas: Kassel: eine Fiktion

Aus dem Spanischen von Daniela Strien

AB – Die Andere Bibliothek 2017, AB 388, 348 S.

»Kunst ist Kunst, und was Sie daraus machen, ist Ihre Sache.«
Für Enrique Vila-Matas wird das Erleben der Gegenwartskunst zu einer erholsam-berauschenden Kraft. Er findet in ihr die Kunst des Lebens wieder.

Kassel: wird während der documenta alle fünf Jahre zum Zentrum der zeitgenössischen Gegenwartskunst aus aller Welt. Der spanische Schriftsteller wird zur Teilnahme eingeladen. Mit nichts als seiner Anwesenheit in einem chinesischen Restaurant soll er vorführen, was er unter Kunst versteht.

Es ist ein scheinbar absurder Auftrag. Kassel: wird für ihn zu einem geistigen Zustand und zu einem Park voller Kunstwunder, in dem er spaziert und schaut und die Geheimnisse der Avantgarde zu ergründen versucht.

»Malen Sie nicht den Gegenstand, sondern die Wirkung, die er hat.«

Diesen Satz des Dichers Mallarmé an seinen Malerfreund Manet versteht Enrique Vila-Matas als Aufforderung. Jenseits der Realität und ihrer Logik beginnt für ihn erst das belebende Spiel mit der Fiktion und mit dem Vermögen der Literatur.

Buchgestalterin: Lisa Neuhalfen


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