Yael Hedaya: Eden

Diogenes 2008, 932 S.
(OT Eden 2005)
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama

Eden ist ein kleiner Ort vor den Toren Tel Avivs, mittlerweile sehr gefragt unter relativ wohlhabenden Städtern, die sich ein Leben jehnseits der städtischen Hektik wünschen. Der Name »Eden« erinnert an das Paradies, auch das Vorwort des ersten Teils des Romans geht in die Richtung »Es gibt keinerlei Verzweiflung auf der Welt« (Rabbi Nachman). Doch ganz so ist es eben nicht für die Bewohner - Yael Hedaya schreibt über eine handvoll Menschen, ihre Beziehungen, Wünsche, Sehnsüchte, Probleme, Ängste oder sexuellen Nöte.

Im Zentrum des Romans stehen vor allem Mark, Alona und ihre Kinder. Auch wenn die beiden sich vor zwei Jahren getrennt haben, wohl eher aus Vernunftgründen, so gehen sie immer noch liebevoll miteinander um, wenn nicht die Beziehung, so scheint doch die Familie weiter zu bestehen. Mark hat eine immer besserlaufende Trattoria aufgebaut und hängt immer noch sehr an Alona, die überwiegend zu Hause als Verlagslektorin arbeitet. Wirklich trennen können sie sich nicht, sehen sich ständig, telefonieren und finden doch nicht wieder so recht zueinander. Liebevoll kümmern sie sich gemeinsam um ihre beiden Kinder. In einem der ersten Kapitel um Alona war es wunderbar zu lesen, wie der Morgen beginnt, sie aufstehen, wie das Leben mit und für die Kinder ihren Alltag bestimmen. Marks Tochter aus einer früheren Beziehung, Ronny, ist mit ihren 16 Jahren dagegen mittlerweile auf der Suche nach sich selbst, nach Liebe, entdeckt die Wirrnisse der Sexualität und macht es ihren Eltern nicht gerade leicht, typische Teenagerprobleme zu ertragen und ihr Erwachsenwerden zu begleiten. Sie ist es, um die der Roman zunehmend kreisen wird. Daneben wohnen in Eden noch Dafne, die eher unglücklich und unausgefüllt eine Ehe lebt, und seit sieben Jahren vergeblich versucht schwanger zu werden, auch mit Hilfe der Reproduktionsmedizin, was sie zunehmend zermürbt, Frust erzeugt und ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt. Ihr Mann Eli, Anwalt in Tel Aviv, stürzt sich zwischenzeitlich in eine Affäre mit der viel zu jungen Ronny. Sie hat die Kindheit gerade erst hinter sich gelassen und ist daneben verliebt in Uri, der ebenso wie Eli viel älter ist, einem angehenden Schriftsteller. Soviel zum Personal.

Es ist ein typisches Buch von Yael Hedaya, sie schreibt ihre Kapitel abwechselnd aus der Perspektive der verschiedenen Personen, schildert deren Gefühle und Gedanken, so daß man eintaucht und ein umfassendes Bild der Beziehungen und Verflechtungen zwischen den Menschen oder der individuellen Konflikte erhält. Es ist kein schmales Bändchen, so daß es mich in der Hälfte begann zu ermüden, mir schien manches überflüssig, was aber auch etwas daran lag, daß die verschieden Stimmen dann doch zu ähnlich klangen, stets die gleichen Mittel, wie die Figuren sich äußern. Doch nach zwei Dritteln kommt wieder Schwung in die Geschichte, man kennt nun sehr gut alle Beteiligten, kennt deren Nöte und fiebert dann doch einem hoffentlich guten Ende entgegen.

Das Lesen hat mir Spaß gemacht, da sie emotional schreibt, die Gefühlswelt und das Beziehungsgefüge von allen Seiten zu schildern vermag und ein lebendiges Gefühl vermittelt. Mit Hedayas Buch »Eden« lernt man wieder einen Ausschnitt modernen israelischen Lebens kennen, sie läßt hier auch den israelisch-palästinensischen Konflikt einfließen und die politische Stituation prägt die Stimmung im Hintergrund. Aber ob Friede oder nicht, die Menschen tragen ihre Konflikte in sich selbst und müssen sie in ihrem privaten Umfeld austragen, um jeder auf seine eigene Weise zum Glück zu finden...

© Ralf 2009