A. L. Kennedy: Paradies

Wagenbach 2005, 362 S.
OT Paradise 2004
Aus dem Englischen von Ingo Herzke

Hannah Luckraft ist Ende dreißig, ihr Leben alles andere als eine Erfolgsgeschichte, und es dämmert ihr, daß es so eigentlich nicht weitergehen kann: Die Anzeichen, daß es ihrer Seele nicht gut geht, mehren sich, ihre Familie fühlt sich von ihr verletzt, ihre wenigen Freunde sind eher sonderbare Typen, und auch auf ihren Körper ist kein Verlaß mehr: Der Zahnarzt Robert scheint ihr Liebe und Rückhalt zu bieten, vielleicht ist er aber auch nur ein weiteres Symptom jenes Problems, für dessen Beseitigung es höchste Zeit wird.

Hannah begibt sich auf die Reise an die Grenzlinien ihres Ichs und auf die Suche nach einem Ort, an dem sie glücklich sein kann: ihrem Paradies. Es ist die ergreifende Geschichte einer gescheiterten Existenz, ein roman voll finsterer Abgründe und lyrischer Stellen von atemberaubender Schönheit. Ein mutiges und kompromißloses Buch, das man nicht vergißt.

A L Kennedy gehört für mich zu meinen Lieblingsautoren. Unvergeßlich und phantastisch ihr Roman "Alles was du brauchst", und seither lese ich alles von ihr. Paradies wird immer besser, je mehr das Lesen zurück liegt. Eigentlich ein unmögliches Buch, wenn einmal Hoffnung auf Glück aufschimmert, ist es im nächsten Moment schon wieder dahin. Aber es ist interessant, mal in die Gedankenwelt eines solchen Menschen einzutauchen, es gibt sehr witzige Dialoge (wie nuanciert man Alkohol genießen kann) und immer mal wieder geht es dem Leser wie Hannah: Filmriß, neues Kapitel.

Das Buch empfehle ich gerne wärmstens weiter, auch wenn mir gerade ein Buchhändler einfällt, der beim Erwähnen des Buches die Augenbraue hob und meinte, daß so eine Geschichte doch nicht lesbar sei.

Fazit, aus großem zeitlichen Abstand heraus: LESEN !
Ein ausgezeichneter "Alkoholiker-Roman", erwähnter Buchhändler sollte ein Glas Wein trinken, sich zurücklehnen und sich entspannen, das Buch lohnt...

© Ralf 2006