Robert Menasse: Don Juan de la Mancha

      oder Die Erziehung der Lust

Suhrkamp 2007, 275 S.

»Man kann nur mit der ersten Frau oder mit der letzten glücklich werden«, sagt der Vater und faßt so das Dilemma des Verführers zusammen. Auch Nathan, der nie ganz aus seines Vaters Schatten getretene Sohn, ist ein Verführer. Schnell sind wir ihm verfallen, dem melancholischen, tragikomischen Wiederholungstäter im ritterlichen Kampf um die Rettung der Liebe. Und schnell sympathisieren wir mit den unverwechselbaren Frauen, die seinen Weg kreuzen.

Nathans Vater suchte sein Glück bei den Frauen, Nathans Mutter fand ihr Unglück bei den Männern. Nathan bricht auf in die Welt, um alles ganz anders zu machen. Was macht er ganz anders? Nichts. Nur die Bedingungen haben sich geändert, die Ansprüche. Nathan, bei seiner Zeitung zuständiger Redakteur für das Ressort »Leben«, verkörpert die Generation der Nach-68er. Unter dem Diktat der Emmas und Bettys darf er seine Männlichkeit zwar ausleben, aber nicht mehr genießen.

Unterhaltsamer und pointierter denn je zeichnet Robert Menasse das Portrait seiner Generation und einer Gesellschaft, »die nicht einmal einen Liter Mineralwasser verkaufen kann, ohne diese Ware erotisch zu besetzen«. Der Erlösung kommt sein Held nicht näher, aber wir sehen uns am Ende dieses ungewöhnlichen Bildungsromas nicht nur aufgeklärt in einer abgeklärten Welt, sondern auch merkwürdig getröstet. von solch zärtlicher Ironie läßt man sich gerne verführen.

Nun, all das verspricht der Klappentext, etwas zuviel für meinen Geschmack.
Der Roman möchte die (sexuelle) Entwicklung eines Mannes beschreiben, seine Erfahrungen mit den Frauen im Verlauf seines Lebens. Dazwischen die Begegnungen mit seiner Therapeutin. Es gibt zwar einige sehr witzige Stellen im Buch, zugegeben, aber Spannung oder wirkliches Interesse an Figuren oder Geschichten möchte bei mir nicht aufkommen. Auch die Sprache gefällt mir nicht, ich habe von Menasse deutlich mehr erwartet. Es kam mir wie lustlos zusammengestellt vor: hier ein Gag, dort eine Spielerei - alles liest sich leicht und locker, eigentlich sehr schön, aber doch bitte etwas mehr Inhalt. Für mich war es belanglos. Immerhin habe ich es zu Ende gelesen, leidliche Unterhaltung, muß aber nicht sein, zumindest nicht für mich...

September 2007

© Ralf 2007