Hier nun ein Sonderband der Anderen Bibliothek: ein sehr schönes Buch mit wunderbaren, aquarellierten Zeichnungen und Kalligraphien, gelungen und nicht zu knapp: ich empfehle das Buch gerne...

Heinz Rölleke, Albert Schindehütte:

Es war einmal...
Die wahren Märchen der Brüder Grimm und wer sie ihnen erzählte

Eichborn November 2011, 439 S., Folioformat

»Wer hat den Brüdern Grimm was, wann und wie erzählt?«

Es war einmal…

Wir alle sind mit ihren Märchen aufgewachsen. Mehr noch: Die Brüder Grimm haben nicht nur unsere Kindheit begleitet, »Grimms Märchen« gehören seit über 170 Jahren zu den ersten Begegnungen mit großer Literatur. Der neue opulente Sonderband der ANDEREN BIBLIOTHEK macht die Erstfassung der Kinder- und Hausmärchen in der ersten – und weitgehend unbekannten Fassung wieder zugänglich.

So eindrucksvoll wie die Märchen ist auch ihre Entstehungsgeschichte – die Brüder Grimm haben ihre Märchen zwar verfaßt, aber wer hat sie ihnen zugetragen? Während die beiden Philologenbrüder ihre literarischen Quellen benannten, machten sie zu den mündlich oder handschriftlich zugekommenen Märchen lediglich vage oder namenlose Angaben. Der Kreis der zumeist jungen Zuträger blieb weitgehend anonym.

Die beiden Brüder aus Kassel waren vor allem gute Zuhörer und Sammler: Mehr als 25 der bis vor nicht langer Zeit unbekannten und geheimnisvollen Geschichtenzuträger werden hier erstmals vorgestellt, mit ihren Lebengeschichten und ihrem besonderen Erzählstil.

Nur in der hier editierten Erstfassung von 1812 können wir noch die Märchen dieser Zuträger hinter den Märchen lesen, scheint der Dialog zwischen Erzählern und Sammlern noch durch. In den späteren und gefälligeren Fassungen wird das ursprüngliche Repertoire der Beiträger immer unkenntlicher.

Und natürlich – wir finden in diesem von Albert Schindehütte illustrierten Prachtband die Märchen wieder, die wir lieben – in der selten gedruckten Erstfassung aus dem Jahr 1812: vom »Teufel und seiner Großmutter« und »Dornröschen« über »Rothkäppchen« und die »Bremer Stadtmusikanten« bis »Der gestiefelte Kater« und »Frau Holle«.

Seit ihrem Erscheinen vor 200 Jahren sind die von Jacob und Wilhelm Grimm gesammelten Märchen das meistaufgelegte, meistübersetzte und bekannteste Buch in der deutschen Literaturgeschichte geworden – ein Bestseller und längst Bestandteil der Weltliteratur.

Heinz Rölleke befreit die Erzähler hinter den Märchen, die im Gewand ihrer Märchen längst weltbekannt wurden, aus ihrer Anonymität und gibt 25 von ihnen den Namen zurück – woher stammten sie und über welches Repertoire verfügten sie, woher kannten sie ihre Stoffe? Heinz Rölleke schenkt den wundersamen Sirenen, die die Märchen zuflüsterten, wieder ihre Stimme.

Albert Schindehütte, ebenfalls ein großer Kenner des Grimmschen Werkes und seit 1997 als ihr Gründer in der Schauenburger Märchenwache für sie tätig, umkleidet die Märchen mit seinen prächtigen und farbigen Kalligraphien.

© Ralf 2011